Ceram, B. W.: Götter, Gräber und GelehrteWir haben das Gerede von Millenium, Jahrtausendproblem und ähnlichem gerade hinter uns, mindestens bis zum nächsten Silvester. In einer Zeit, wo Optimisten und Pessimisten fast ausschließlich in die Zukunft blicken, finde ich es ausgesprochen reizvoll, einmal mehr zurückzuschauen. Wie war es kurz vor der letzten Jahrtausendwende, oder am Beginn der christlichen Zeitrechnung, wie fing es an, wo liegen unsere Ursprünge? Unter anderem ist für solche Art Selbstfindung die Archäologie zuständig. Nun mag der eine oder andere von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser sagen, 'nein, ein Sachbuch und dann noch zum Thema Archäologie, dass ist mir zu trocken, da staubt's ja und das im wahrsten Sinne des Wortes'. Genau darum, weil dieses Buch anders ist, auf eine populäre und trotzdem nicht minder stichhaltige Weise Wissen vermittelt, habe ich in unserer Kiste soweit unten gekramt und hoffe mit Ihrer Hilfe, indem Sie nämlich den Titel mal ausleihen, die Staubschicht davon zu entfernen. Ceram 's Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" versteht sich nach Aussage des Autors als "Roman der Archäologie". In akribischer Kleinarbeit recherchierte der deutsche Schriftsteller und Journalist zur Entdeckung und Erforschung untergegangener Kulturen. Er folgt in diesem Buch den Spuren Schliemanns nach Troja, Carters an den Nil und führt den Leser mit Thompson nach Mexiko. Neben den Ausgrabungen werden auch die Schicksale dieser Helden der archäologischen Wissenschaft beleuchtet. Anhand der Entdeckungen werden Mythen zur Realität und die Entschlüsselung alter Dokumente läßt so manchen neuen Mythos entstehen. Vielleicht kann man es so sagen: Götter, das sind die Mythen und Legenden, die wir aus vielen Überlieferungen alter Kulturen kennen, die oft der Auslöser und Wegbegleiter für archäologische Forschungen.sind. Gräber, das sind die Tatsachen, auf die man trifft, die Kultstätten, Gegenstände, Wohnorte, die wir dank großer Ausgrabungen heute kennen. Die Gelehrten, sie sind die Verbindung zwischen der steinernen Vergangenheit und dem Heute. Dem völkerkundlich interessierten Leser sind sicherlich eine ganze Reihe der angeführten Fakten bekannt. Die Rolle Napoleons für die Ägyptologie ist zum Beispiel schon an vielen anderen Stellen erwähnt worden. Das wichtige an diesem Sachbuchklassiker ist die Emotionalität und Spannung, mit der Tatsachen nahegebracht werden. Deshalb ist der Zusatz "Roman der Archäologie" so wichtig. Lassen Sie sich also von mir anstiften zu einer abenteuerlichen Reise in unsere Vergangenheit. Begleiten Sie Schliemann und entdecken Sie mit ihm den Schatz des Priamos, stehen Sie mit Carter im "Tal der Könige". Lernen Sie mit Thompson die Halbinsel Yucatan, ein Zentrum der alten indianischen Hochkulturen kennen und erfahren Sie etwas über den weisen Gott Quetzalcouatl, dessen weißem Gewand und Bart die Spanier ihre friedliche Begrüßung in Amerika verdankten. Es ist schön und bequem, dies alles am Computer aufschreiben zu können, mit Hilfe der modernen Technik über alte Geschichte zu schreiben. Auch die Archäologie ist dank modernster Präzisionsgeräte schon ein ganzes Stück weiter als zu Cerams Zeiten, der dieses Buch 1949 schrieb. Um Begeisterung für wissenschaftliche Forschung und Spaß an Erkenntnissen zu wecken und gute geschichtliche Kenntnisse zu vermitteln, ist dieses Buch unverzichtbar. Es könnte so manches trockene Schulbuch ersetzen. Falls Sie meiner Empfehlung folgen möchten, der Titel steht in fünf Bänden unter der BNA 1065 in alter Kurzschrift zur Ausleihe bereit.
Copyright: Susanne Siems |